Die Hundeleine als Verbindung zwischen Mensch und Hund
Hundeleinen gab es lange, bevor Autos, Straßen und die Gefahren der heutigen Zivilisation Einzug gehalten haben. Ihre Aufgabe ist damals wie heute dieselbe geblieben: den Hund in der Nähe seines Besitzers zu halten und beide damit vor Gefahr zu schützen. Geändert hat sich lediglich die Richtung. Heute schützt der Hund uns seltener, dafür stehen wir in der Verantwortung gegenüber unseren Mitmenschen und gegenüber der Umwelt, und in dicht besiedelten Gegenden mehr denn je.
Die Leine ist damit das Ausrüstungsstück, das Sie am häufigsten in der Hand halten. Umso mehr lohnt es sich, bei der Auswahl genauer hinzusehen, denn eine Leine, die zum Hund und zur Situation passt, fällt im Alltag überhaupt nicht auf. Eine unpassende dagegen jeden Tag. Ein großer Teil unserer Lederleinen ist deshalb handgefertigt, aus Rundleder und mit eingeflochtener Handschlaufe.
Welche Hundeleine für welchen Zweck?
Die drei Bauarten unterscheiden sich weniger im Material als in dem, was sie Ihnen erlauben. Wer das einmal durchdacht hat, kauft nicht zweimal.
Führleine
Die Leine für den Weg zum Auto, durch die Stadt und überall dort, wo Leinenpflicht gilt. Eine mehrstufig verstellbare Ausführung löst gleich mehrere Längen auf einmal, weil sie sich kurz führen und lang tragen lässt.
Moxonleine
Halsung und Leine in einem Stück, in Sekunden übergestreift und ebenso schnell wieder ab. Nach dem Abnehmen trägt der Hund nichts mehr am Hals, was bei der Arbeit im Unterholz und am Wasser ins Gewicht fällt. Sie setzt allerdings einen leinengeübten Hund voraus, weil sie sich beim Ziehen zuzieht, wenn kein Stopper gesetzt ist.
Schleppleine
Kein Führungsmittel, sondern eine Sicherheitsleine. Sie läuft locker mit und greift erst, wenn der Hund weiter will als erlaubt. Genau deshalb ist sie das wichtigste Gerät beim Aufbau von Rückruf und Antijagdtraining. In der Nasenarbeit läuft dieselbe Leine als Such- oder Fährtenleine mit.
Aus der Praxis: Die meisten Hundeführer kommen mit zwei Leinen aus, nicht mit einer. Eine kurze für die Stadt und eine lange für draußen. Wie lang die lange sein soll, entscheidet das Gelände: Drei Meter reichen im Park und auf der Wiese völlig, erst größere Flächen verlangen nach mehr.
Die Moxonleine im Einsatz
Der Film zeigt, wie eine Moxonleine übergestreift wird und wie sich der Hund damit führen lässt. Viel mehr als dieser eine Handgriff ist es nicht, und genau darin liegt der Reiz dieser Bauart.
Welches Modell dabei zu sehen ist, spielt für die Handhabung keine Rolle, denn sie ist bei jeder Moxonleine dieselbe. Wer sich an diese Bauart bisher nicht herangetraut hat, sieht in wenigen Minuten, dass daran nichts kompliziert ist.
Warum das im Gelände ein Sicherheitsgewinn ist
Ein Halsband bleibt am Hund, auch wenn die Leine längst ab ist. Im Unterholz kann es an Geäst, Wurzelwerk oder altem Zaundraht hängenbleiben, und ein Hund, der in dieser Lage zieht, verletzt sich selbst. Am und im Wasser wächst das Risiko noch, weil sich Schilf und Wurzeln unter der Oberfläche befinden und ein hängengebliebener Hund dort nicht mehr aus eigener Kraft freikommt.
Eine Moxonleine umgeht das, weil sie Halsung und Leine in einem Stück vereint. Nehmen Sie sie ab, trägt der Hund nichts mehr am Hals, an dem etwas hängenbleiben könnte. Deshalb ist sie in der jagdlichen Arbeit so verbreitet und nicht nur, weil sie schnell angelegt ist.
Leder, Biothane oder Nylon?
Das Material entscheidet darüber, wie sich die Leine in der Hand anfühlt, wie sie altert und wie viel Arbeit sie macht. Drei Gruppen, drei verschiedene Antworten.
Leder
Die Schönen und die Handschmeichler unter den Hundeleinen. Leder liegt angenehm in der Hand und wird mit jedem Jahr geschmeidiger. Es nimmt Wasser auf und braucht deshalb ab und zu Fett, dafür bekommt es mit der Zeit einen Charakter, den kein Kunststoff nachbildet.
Biothane und Kunststoff
Der Versuch, Leder und Nylon zu vereinen, und er gelingt erstaunlich gut. Ein beschichtetes Gurtband mit lederähnlicher Anmutung, das kein Wasser aufnimmt, sich abwischen lässt und bei Frost weich bleibt. Bei Nässe, Schmutz und Winter ist das die unkomplizierteste Lösung.
Nylon und Gurtband
Unkompliziert, günstig und in jeder denkbaren Farbe zu haben. Nylon nimmt Wasser auf und wird dadurch schwer, trocknet aber schnell wieder. Für den täglichen Gebrauch und als Zweitleine die naheliegende Wahl, zumal die Auswahl an Stärken und Längen hier am größten ist.
Handgefertigte Lederleinen aus Rundleder
In Handarbeit, nicht von der Rolle
Ein großer Teil unserer Lederleinen entsteht in Handarbeit aus gegerbtem Rinderrundleder. Rundleder heißt, dass der Riemen nicht flach geschnitten, sondern rund gearbeitet ist. Er rollt dadurch in der Hand statt zu kanten, verdreht sich weniger und bleibt auch dann angenehm zu greifen, wenn ein Hund einmal unerwartet in die Leine fällt.
Handschlaufe und Karabinerhalterung werden eingeflochten statt vernietet. Das kostet Arbeitszeit, hat aber einen handfesten Grund: Eine geflochtene Verbindung verteilt die Last auf mehrere Zentimeter, während eine Niete sie auf einen Punkt zieht. Wie lange eine Lederleine am Ende hält, entscheidet allerdings nicht die Machart allein, sondern ebenso die Pflege und das, was ihr im Alltag zugemutet wird.
Welche Länge brauche ich?
Es gibt keine Länge, die alles abdeckt, aber für jede Situation eine, die passt. Die Balken zeigen die Abstände maßstabsgetreu zueinander.
Wickeln Sie eine lange Leine nie um die Hand. Bei einem großen Hund, der aus vollem Lauf ins Ende geht, wirken Kräfte, die man sich im Stehen nicht vorstellt.
Lassen Sie die Leine stattdessen locker durch die Hand laufen oder legen Sie sie in weiten Schlaufen ab. Aus demselben Grund raten wir bei schweren und schnellen Hunden von Längen über zehn Metern ab.
Leinenführigkeit: wenn der Hund zieht
Ziel einer guten Leinenführung ist es, dass sich der Hund neben Ihnen an lockerer Leine bewegt und auf Ihr Handeln reagiert. Bleiben Sie stehen, soll auch er stehen bleiben, und das gilt für Führleinen bis etwa zwei Meter. An einer langen Leine genügt es, wenn er Sie im Blick behält und die Leine nicht unter Spannung steht.
Methoden gibt es viele, und die richtige hängt vom Hund ab. In den meisten Fällen kommt man allerdings mit einer Mischung aus Lob, Selbstdisziplin und Ausdauer weiter als mit jedem Hilfsmittel.
Die Grundübung
Gelaufen wird nur so lange, wie die Leine locker durchhängt. Fängt der Hund an zu ziehen, bleiben Sie stehen und warten, bis er Sie wieder anschaut. Erst dann geht es weiter, bis die Leine erneut straff wird. Dann bleiben Sie wieder stehen.
Rechnen Sie damit, dass das Stehen in den ersten Tagen und Wochen mehr Zeit in Anspruch nimmt als das Laufen. Das ist kein Zeichen dafür, dass es nicht funktioniert, sondern genau der Teil, in dem der Hund die Regel begreift. Reagiert er auf Ihr Stehenbleiben nicht und schaut sich nicht nach Ihnen um, helfen die folgenden fünf Punkte.
Wichtigste Regel: der Weg ist das Ziel. Nehmen Sie sich keine bestimmte Wegstrecke vor, sondern laufen Sie so weit, wie Sie gemeinsam Spaß daran haben. Und denken Sie daran, dass Sie den Rückweg ebenfalls an lockerer Leine zurücklegen müssen.
Die Hundeleine als Helfer bei jagenden Hunden
Die meisten Hundebesitzer haben bei Spaziergängen in Wald und Flur schon einmal erlebt, wie plötzlich Wild aufbricht. Viele Hunde sind in solchen Augenblicken kaum noch zu kontrollieren, und das Hetzen belohnt sich selbst. Deshalb lohnt es sich, bereits im Welpenalter mit gezieltem Antijagdtraining zu beginnen und Abrufbereitschaft bei Wildkontakt aufzubauen, bevor der Hund die Erfahrung überhaupt gemacht hat.
Hier leisten lange Leinen hervorragende Dienste. Sie können damit gegebene Kommandos auch bei starken Umweltreizen einfordern und dem Hund trotzdem Freiraum zugestehen. Unterschätzen Sie dabei nicht die Kräfte, die bei großen Hunden aus Masse und Beschleunigung entstehen und die im Ernstfall auf die Leine und auf Ihren Körper wirken. Für schwere und vor allem schnelle Hunde empfehlen wir deshalb eine Schleppleine von höchstens zehn Metern. Wer als Jagdleine ohnehin eine Moxonleine führt, hat den Vorteil, den Hund ohne zweites Gerät anleinen zu können.
Zum Aufbau gehört mehr als die Leine. Mit Wild-Duftstoffen lässt sich Wildkontakt planbar machen, statt auf den Zufall im Revier zu warten, und mit einem Dummy an der langen Leine bauen Sie sich in wenigen Minuten einen Running Rabbit als Verleitung nach. Alles, was mit Apportieren und Dummyarbeit zu tun hat, finden Sie gesammelt bei den Trainingsleinen.
Brut- und Setzzeit
In einigen Bundesländern gilt während der Brut- und Setzzeit in Wald und Flur Leinenpflicht, damit Wildtiere bei Trächtigkeit, Geburt und Aufzucht nicht gestört werden. Diese Zeit beginnt je nach Bundesland etwa Mitte März und endet gegen Mitte Juli, einzelne Länder kennen keinen Leinenzwang. Unabhängig davon gilt überall, dass sich der Hund im Einflussbereich seines Führers befinden muss. Andernfalls dürfen Jagdschutzberechtigte bei wildernden Hunden von der Schusswaffe Gebrauch machen. Was in Ihrem Bundesland gilt, erfahren Sie bei der zuständigen Gemeinde.
Die Hundeleine in öffentlichen Bereichen
In vielen Städten, öffentlichen Einrichtungen und Verkehrsmitteln besteht eine generelle Leinenpflicht, zum Leidwesen vieler Halter und bei den meisten Hunden wohl auch unbegründet. Geregelt wird sie in Deutschland uneinheitlich durch Städte und Kommunen. Vereinzelt schreiben Verordnungen sogar eine Höchstlänge vor, etwa einen Meter im innerstädtischen Bereich und 2,50 Meter außerorts.
Ob solche Regelungen sinnvoll sind, mag jeder für sich bewerten. Praktisch führen sie dazu, dass eine zweite Leine die Anschaffung wert ist. Schließlich wollen Sie Ihrem Hund in Wald und Flur Auslauf bieten und ihn in schwierigen Lagen trotzdem wieder bei sich haben.
Lederpflege in zwei Minuten
Eine nasse Lederleine trocknet bei Zimmertemperatur, niemals auf der Heizung oder in der prallen Sonne. Hitze entzieht dem Leder das Fett, und genau dann wird es hart und brüchig.
Schlamm und Sand werden nach dem Trocknen abgebürstet oder mit einem feuchten Tuch abgenommen. Sitzt der Schmutz fest, genügt lauwarmes Wasser mit einem Tropfen ph-neutraler Seife. Spülmittel, Scheuermittel und Hausmittel wie Milch oder Speiseöl gehören nicht ans Leder.
Zwei bis drei Mal im Jahr etwas Lederfett dünn auftragen und einziehen lassen. Mehr schadet eher, als es nützt, weil zu viel Fett das Leder weich und schwammig macht.
Zur Einordnung: Eine neue Lederleine ist am Anfang oft etwas steif. Das legt sich nach wenigen Wochen Gebrauch von selbst, weil die Handwärme das Leder weich arbeitet. Wer nachhelfen will, knetet sie ein paar Minuten durch oder zieht sie ein paarmal durch ein Tuch mit etwas Lederfett. Biothane und Nylon brauchen diese Pflege nicht, dort genügt Abspülen.
Das passende Halsband zur Leine
Leine und Halsband bilden ein Paar, und zwar in zweierlei Hinsicht. Sie sollten zusammen aussehen, vor allem aber zusammen funktionieren.
Halsbänder aus Leder
Zu einer Lederleine gehört ein Lederhalsband, und zwar nicht nur der Optik wegen. Beide altern ähnlich, beide werden mit der Zeit weicher, und beide vertragen dieselbe Pflege.
Das ganze Sortiment
Biothane, Gurtband und mehr. Wer eine Leine für Nässe und Schlamm sucht, fährt auch beim Halsband mit demselben Material besser, weil es sich genauso unkompliziert reinigen lässt.
Eine Ausnahme: Bei einer Moxonleine entfällt das Halsband, weil Leine und Halsung aus einem Stück bestehen. Wer vor allem im Gelände arbeitet, braucht deshalb unter Umständen gar keines.
Zwischen Mensch und Hund liegen zwei Meter Leine. Oder zehn. Verbunden sind beide so oder so.
Die Leine entscheidet nur, wie viel Raum dazwischen passt.
Häufige Fragen zur Hundeleine
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Eine andere Leine löst das Problem nicht, sie kann es aber entschärfen. Wer an der Zweimeterleine ständig zieht, hat an einer Schleppleine plötzlich Spielraum und gerät gar nicht erst in die Spannung hinein. Daran lässt sich dann ruhig arbeiten. Umgekehrt macht eine Flexileine die Sache schlimmer, weil sie dauerhaft unter Zug steht und dem Hund beibringt, dass Ziehen zum Ziel führt.
Bei der Moxonleine, auch Retrieverleine genannt, ist die Halsung Bestandteil der Leine. Sie wird in einem Zug übergestreift und ist ebenso schnell wieder ab, ohne Karabiner und damit fast lautlos. Dazu kommt ein Punkt, der im Gelände zählt: Nach dem Abnehmen trägt der Hund nichts mehr am Hals, das sich in Geäst, Zaunresten oder Schilf verfangen könnte. Sie setzt allerdings einen leinengeübten Hund voraus, denn sie zieht sich zu, wenn er in die Leine fällt. Modelle mit Stopper begrenzen das.
Fünf Meter für den Anfang, zehn Meter für die laufende Arbeit an Rückruf und Antijagdtraining. Mehr als zehn Meter lohnen nur auf weitem, freiem Gelände und bei Hunden, die nicht zu schwer sind. Jede zusätzliche Länge verfängt sich häufiger, wird bei Nässe schwerer und erhöht die Kräfte, die im Ernstfall auf Sie wirken.
Das hängt weniger am Material als an den Bedingungen und an der Pflege. Leder dankt regelmäßiges Fetten, mag aber keine Dauernässe. Biothane kommt mit Nässe, Schmutz und Frost gut zurecht und braucht keine Pflege, erreicht dafür nicht denselben Griff. Wer viel am Wasser unterwegs ist, nimmt Biothane, wer Wert auf das Gefühl in der Hand legt, nimmt Leder.
Rundleder heißt, dass der Lederriemen rund gearbeitet und nicht flach geschnitten ist. Er rollt dadurch in der Hand, verdreht sich weniger und kantet nicht ein, wenn der Hund einmal in die Leine fällt. Handgefertigt bedeutet bei unseren Leinen, dass Handschlaufe und Karabinerhalterung eingeflochten statt vernietet werden, was die Last auf mehrere Zentimeter verteilt.
Zwei sind in der Praxis meist die vernünftigste Lösung. Eine kurze Führleine für Stadt und Leinenpflicht, eine lange für Wald und Feld. Bei der langen hängt die Länge vom Gelände ab: Drei Meter sind der beliebteste Einstieg und reichen für Park und Wiese aus, zehn Meter gehören aufs offene Feld.


